Gegensätze | global denken - lokal handeln



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Lieber Kai,
eine Wand wie die einer Burg aus Felsgestein. Und auf ihr im untere Drittel sichtbar die Schatten von vier Menschen, drei stehend, einer sitzend hinter einem Geländer. Außerdem rechts der Schatten eines Baumes. Die Schatten von einer schräg, kurz vor dem Untergang oder kurz nach dem Aufgang stehenden Sonne. Lässt sich das ermittelt? Die Schatten einerseits kräftig, aber dann an den Rändern doch leicht verschwommen, wie Silhouetten. Der Betrachter müsste sich umdrehen können, um das Original sehen zu können. Was würde er dann mehr sehen, was weniger sehen können?
Herzlichen Gruß, Ela

Liebe Ela,
vielen Dank für Deine Nachricht. Eine wirklich komplexe Szenerie. Obwohl es nur Schatten sind, entsteht ein lebendiger Eindruck von den Personen. Sie gehen, stehen, sitzen und sind sich wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass Ihre Schatten an der Felswand so prägnant sind. Sie werden per Schattenspiel in eine andere Sphäre manövriert. Aus Dreidimensionalität wird Zweidimensionalität. Aus dem schroffen Felsen wird eine Leinwand, auf der sich das Spektakel abspielt. Spannend ist auch der Effekt, der dich aus dem Knick im Gemäuer ergibt. Die Frauengestalt befindet sich genau an der Schnittstelle. Ab dort setzt eine Verzerrung ein, der Schatten erhält andere Dimensionen als das Original.
Herzlichen Gruß, Kai


Die Welt erschließt sich in Bildern, in Szenen, in Ensemblemen von Landschaft, Gebäuden, Gegenständen, Licht und Farben. Gesammelt wurde über 7 Jahre hinweg jede Woche jeweils eine Szene, die sich durch eine besondere Komposition auszeichnet.
Damit steht für jeden Tag des Jahres eine Szene zur Verfügung, die Ausgangspunkt für Assoziationen und Reflektionen sein kann. Die Szenen regen an, Fragen des Bestehenden und Zukünftigen innovativ anzugehen - Denken out of the box. Kai und Ela lassen uns an ihren Überlegungen teilhaben.

Projekt Gegensätze - Januar 2025