Gegensätze | global denken - lokal handeln

2018-02

 

"Es ist angenehm, eine Pause zu haben. Mir schwirrt schon ganz der Kopf."
"Naja, es ist für Dich ja auch das erste Mal". Sie hatten das Grundstück des alten Gehöftes, das in ihnen an diesem Wochenende als Tagungsort diente, verlassen und hatten auf der alten Kopfsteinpflaster-Straße , die an dem ehemaligen Bauernhof entlang führte, die Richtung zum Meer eingeschlagen. Kai, der junge schlanke Mann, hatte die Hände in die Hosentaschen vergraben und ging einwenig voran.
"Du wirst Dich an diese Wochenenden gewöhnen."
"Auf jeden Fall habt ihr eine ganz nette Gegend ausgewählt".
"Naja, wir sind eigentlich immer woanders. Manchmal haben wir Glück und wir sind in einer ganz netten Gegend - so wie hier, oder wir haben auch mal Pech und wir sind froh, wenn wir es hinter uns haben."
Die schmale Straße führte zum Deich, der in einiger Entfernung auszumachen war. Bis dahin führte die Trasse durch eine lockere Bebauung alter landschaftlicher Gebäude, an Hecken-umsäumten Gärten und alten knorrigen Bäumen entlang. Dahinter begannen die endlos wirkenden Felder, die nun weitgehend abgeerntet waren. Gelegentlich hörte man einzelne Vögel und von Ferne einen Traktor, der sich durch eins der Felder hindurchpflügte.
"Guck mal, das alte Haus". Kai war stehen geblieben und wies auf einen altes Backsteingebäude, dessen Dach zu gut der Hälfte eingestürzt war. Verwitterte Balken ragten aus dem Dach. Der Mörtel zwischen den Backsteinen war an manchen Stellen ausgewaschen, an manchen Stellen erneuert. An mehreren Stellen waren Risse entstanden, die zwischen den Fugen entlangliefen. Die Fenster waren von verwitterten Holzladen verdeckt.
"Das sieht ja echt einsturzgefährdet aus", bemerkte Ela, nachdem sie sich den gesamten Komplex eingehend angesehen hatte.
"Ja, das kann man wohl sagen. Es wird schon einige Jahre auf dem Buckel haben. Und vielleicht ein großartige Vergangenheit. Und wieviel Arbeit da drinsteckt. Erst mal der Plan, es zu bauen. Vielleicht so vor um die hundert Jahre. Dann die vielen Bauarbeiter und Handwerker, die es errichtet haben. Guck, allein diese Rundbögen aus Ziegeln über den Fenstern. Das ist noch echte Handwerkskunst. Na, ja, dann wird es seine Blütezeit gehabt haben. Als Wirtschaftsgebäude hier auf dem Hof und dann Krieg, Niedergang, wer weiß es. Auf jeden Fall ist es nun seit langem dem Verfall preisgegeben, wie es aussieht. Was meinst Du?".
"Ja, so wird es wohl gewesen sein. So hat alles seine Zeit - die Dinge entstehen, haben ihre Zeit, in denen sie genutzt werden und dann - wenn sich niemand mehr kümmert - ist ihre Zeit gekommen. Das sieht so aus, als hätte Wind und Wetter dem Gebäude so zugesetzt, dass es nun bald zusammenbricht."
"Naja, ein bisschen wird es wohl noch dauern. Oh, da kommt ein Auto." Kai schob Ela mit einem sanften Druck auf den Rücken in Richtung Fahrbahnrand.
Von Land her hatte sich ein PKW genähert, der nun ohne sein zügiges Tempo zu drosseln an ihnen vorbeizog. Im Fahrzeug saßen zwei junge Männer, der eine eine Zigarette im Mund, der andere grinste breit, als .
"Ok, wir müssen wohl mal wieder. Die Pause ist schon wieder vorbei. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ich muss schon sagen, ich bin einigermaßen überrascht, was ihr hier alles auf die Beine stellt."

 

 

Projekt Gegensätze - April 2018